Die Baukostenplanung ist ein wesentlicher Bestandteil des Planungsprozesses, der dazu dient, den finanziellen Rahmen für ein Bauprojekt zu definieren und zu kontrollieren. Sie umfasst die Schätzung, Planung und Überwachung der zu erwartenden Kosten des Bauvorhabens, von der Planung und Konzeption über die Ausführung bis hin zur Fertigstellung und Übergabe.
Stufenmodell der Kostenermittlung
Die Kostenplanung ist ein systematisches am Projektverlauf und an den Stufen der DIN 276 orientiertes Modell.
Kostenschätzung (frühe Vorplanung)
- Grundlage: grobe Flächen-/Raumprogramme, erste konzeptionelle Entwürfe
- Methode: Kennwerte (€/m² BGF, €/m² NF)
- Ziel: Plausibler Kostenrahmen, Optionenscreening
Kostenberechnung (Ende Entwurfsplanung)
- Grundlage: durchgearbeiteter Entwurf, definierte Qualitäten
- Methode: elementorientierte Kostenberechnung (Bauelemente nach DIN 276, 3. Ebene)
- Ziel: belastbare Kostenbewertung, Basis für Honorar und Finanzierungsentscheidungen
Kostenanschlag/-kontrolle (Ausschreibung/Vergabe)
- Grundlage: Leistungsverzeichnisse, Angebote
- Methode: Positionspreise, Aktualisierung der Element- und Bauteilkosten, Vergleich zu Kostenberechnung
- Ziel: Kostenkontrolle, Anpassung an Marktpreise, Änderungsmanagement
Kostenfeststellung (Projektabschluss)
- Grundlage: geprüfte Schlussrechnungen
- Methode: bauteil- und elementorientierte Zuordnung der Ist-Kosten
- Ziel: Dokumentation für Abrechnung, Nachweis gegenüber Auftraggeber, Aufbau einer projektspezifischen Kostendatenbank
Für die Kostenplanung sind den Projektphasen (Leistungsphasen) in der HOAI, z. B. beim Leistungsbild Gebäude und Innenräume, die folgenden Grundleistungen zugeordnet:
| Leistungsphase HOAI | Kostenermittlungsstufe | Gliederungstiefe |
|---|---|---|
| LPH 1 Grundlagenermittlung |
Kostenrahmen |
1. Ebene nach DIN 276 |
| LPH 2 Vorplanung |
2. Ebene nach DIN 276 |
|
| LPH 3 Entwurfsplanung |
3. Ebene nach DIN 276 |
|
| LPH 5 & 6 Ausführungsplanung |
3. Ebene nach DIN 276 |
|
| LPH 7 Mitwirkung bei der Vergabe |
3. Ebene nach DIN 276 |
|
| LPH 8 Objektüberwachung |
3. Ebene nach DIN 276 |
Die Projektphasen der HOAI bestimmen somit auch maßgeblich die Methoden der Baukostenermittlung. Die obenstehende Übersicht ordnet die Gliederungstiefe nach DIN 276 der Baukostenermittlung den LPH zu. In jeder LPH wird die Planung detaillierter und liefert dem Planer zusätzliche Informationen für die Grundlage der Baukostenermittlung. Je genauer und detaillierter die Informationen sind, umso genauer können die Baukosten bestimmt werden.
Baukostenplanung in der Zukunft
BIM wird die Baukostenplanung langfristig grundlegend verändern, weil Mengen, Qualitäten und Bauteile direkt aus dem digitalen Gebäudemodell ausgelesen werden können und damit die Basis für eine modellgestützte 5D-Kostensteuerung bilden. Voraussetzung ist eine saubere Strukturierung des Modells (Klassifikationen, Bauteilattribute, Zuordnung zu Kostengruppen), damit Kennwerte, Einheitspreise und Leistungsverzeichnisse eindeutig verknüpft werden können. In gut organisierten Prozessen werden Änderungen am Entwurf automatisch in Mengen- und Kostenständen sichtbar, sodass Kostenprognosen und Variantenvergleiche deutlich früher und belastbarer möglich sind. BIM-spezifische Leistungen wie modellbasierte Mengenermittlung, 5D-Simulation und die Pflege der Datenqualität sind eigenständige Aufgaben, die explizit beauftragt und honoriert werden müssen.
Parallel dazu rückt die Lebenszyklusperspektive in den Vordergrund: Investitionskosten, Betriebs- und Instandhaltungskosten sowie Rückbaukosten werden im Zusammenhang betrachtet, häufig ergänzt um CO₂-Emissionen und andere Nachhaltigkeitskennzahlen. Nachhaltige Entwurfsentscheidungen lassen sich dadurch anhand von Lebenszykluskosten und Umweltwirkungen bewerten, etwa beim Vergleich unterschiedlicher Konstruktionen oder technischer Konzepte. Zielkostenmodelle, bei denen ein fixes Budget und definierte Nachhaltigkeitsziele als harte Randbedingungen gelten, machen Kosten zum gleichberechtigten Entwurfsparameter neben Funktion und Gestalt. In BIM-Projekten können solche Zielkosten mit Variantenrechnungen und Szenarien im Modell hinterlegt und iterativ überprüft werden, was die Rolle der Architektinnen und Architekten als Kosten- und Qualitätssteurer im gesamten Planungs- und Bauprozess stärkt.
Infos zu Änderungen der DIN 276
Die Ermittlung der Baukosten ist eine Grundleistung nach HOAI und elementarer Bestandteil jeder Objektplanung. Die Vorgehensweise der Baukostenermittlung ist in DIN 276 „Kosten im Bauwesen“ normiert. Die Ausgabe der DIN 276 von Dezember 2018 brachte zahlreiche Änderungen und Neuerungen mit sich und hat gravierende Auswirkungen auf die Praxis der Kostenplanung. Was Sie in der Praxis konkret beachten müssen, erläutert Ihnen Teil 2 des Artikels.
Methoden der Baukostenermittlung
Für die Baukostenermittlung bei Objektbauten wie Krankenhäusern, Hotels, Einkaufszentren und Botschaften, aber auch größere Wohnungsbauten, stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung.
Baukosten lassen sich mit recht hoher Genauigkeit über die sogenannte Bauelementmethode ermitteln. Bauelemente setzen sich aus einzelnen Leistungspositionen zusammen, ähnlich wie bei Kochrezept.
Bei der Kostenermittlung über Leistungspositionen ist es wichtig, für Bauleistungen aktuelle Baupreise zu kennen. Benötigt werden möglichst verlässliche Informationen darüber, für welchen Einheitspreis eine bestimmte Leistung (Leistungsposition) vom Bauunternehmer angeboten wird. Aufgrund der notwendigen Planungsgenauigkeit bzw. -fortschritts kommt diese Methode erst in Leistungsphase 6 zum Einsatz.
Bei der Baukostenermittlung über BIM-Methodik wird prinzipiell genauso vorgegangen, wie bei der Bauelementmethode mit dem Vorteil, dass die Mengen für die Bauelemente nicht gesondert ermittelt werden müssen, sondern als „Abfallprodukt“ aus der jeweiligen CAD-Anwendung ausgegeben werden. Soweit die guten Nachrichten zum BIM-Einsatz.
