Die bundesweite Konjunkturumfrage 2026 von BAK, AHO, VBI und BIngK zeigt: Die Auftragslage vieler Architektur- und Ingenieurbüros bleibt angespannt. Besonders kleine Büros und privat finanzierte Architekturbüros spüren den Abschwung deutlich. Fast jedes fünfte Büro bewertet seine wirtschaftliche Lage als schlecht, einige befürchten sogar die Betriebseinstellung.
Die diesjährige bundesweite Konjunkturumfrage unter Architektur- und Ingenieurbüros zeichnet ein weiterhin angespanntes Bild der Branche. Im Auftrag der Bundesarchitektenkammer (BAK), des Verbands Beratender Ingenieure (VBI), der Bundesingenieurkammer (BIngK) sowie des Ausschusses der Verbände und Kammern der Ingenieure und Architekten für die Honorarordnung (AHO) erhoben die Marktforschungsinstitute IW Consult und Reiß & Hommerich die konjunkturelle Lage der Branche. Insgesamt beteiligten sich 4.859 Architektur- und Ingenieurbüros an der Befragung, nach 2.452 Unternehmen im Vorjahr eine nochmals deutliche Steigerung der Teilnehmerzahl. Die Ergebnisse liefern wichtige Hinweise zur Lage der Branche und zeigen, wo politischer Handlungsbedarf besteht, denn laut den Verbänden zeigen weder die Vereinfachung von Planungs- und Genehmigungsverfahren noch neue Finanzierungsinstrumente wie das Sondervermögen Infrastruktur bislang erkennbare positive Effekte auf die wirtschaftliche Situation der Büros.
Auftragslage wird volatiler
Die Ergebnisse verweisen auf eine zunehmende Volatilität: Bei 37 Prozent der Ingenieurbüros ist die Auftragslage im zweiten Halbjahr 2025 zurückgegangen, bei 30 Prozent hingegen gestiegen. Im Vorjahreszeitraum meldeten 35 Prozent einen Rückgang und 27 Prozent einen Anstieg. Für 2026 rechnen 26 Prozent der Ingenieurbüros und sogar 35 Prozent der Architekturbüros mit einem weiteren Auftragsrückgang.
Besonders deutlich zeigt sich der Abschwung im Auftragsbestand der Architekturbüros: Er sank im Schnitt von 11,5 auf 10,0 Monate. Bei den Ingenieurbüros blieb der Bestand mit 11,3 Monaten gegenüber dem Vorjahreswert von 11,1 Monaten hingegen stabil. Die Verbände führen diesen Unterschied auf die stärkere Kopplung der Architekturbüros an private Auftraggeber zurück, bei denen Kündigungen und Leistungskürzungen häufiger auftreten.
Existenzsorgen vor allem bei kleinen Büros
Zum Jahresbeginn 2026 beschreiben 22 Prozent der Architektur- und 19 Prozent der Ingenieurbüros ihre wirtschaftliche Lage als schlecht oder eher schlecht. Besonders verhalten fällt die Einschätzung bei Innenarchitekten sowie bei Ingenieurbüros aus den Bereichen Tragwerksplanung und Verkehrsanlagen aus. Zufriedener zeigen sich dagegen Büros für Landschaftsarchitektur und Ingenieurbüros in der Objektplanung für Ingenieurbauwerke. Insgesamt befürchten 5 Prozent der befragten Büros, den Betrieb in den kommenden Monaten einstellen zu müssen; 14 Prozent bezeichnen ihre Zukunft als ungewiss. Besonders kritisch fällt die Einschätzung bei Büros mit weniger als zehn Mitarbeitenden aus.
Regulatorik, Projektabbrüche und Materialkosten als Hemmnisse
Als Hauptursachen der angespannten Lage nennen die befragten Büros regulatorische Anforderungen, gestörte Projektabläufe und den allgemeinen wirtschaftlichen Abschwung. Architekturbüros machen zusätzlich gestiegene Materialkosten für ihre wirtschaftlich schwierige Situation verantwortlich.
„Die Ergebnisse der Konjunkturbefragung sind ein deutliches Warnsignal. Viele Architektur- und Ingenieurbüros stehen wirtschaftlich unter erheblichem Druck, der Auftragsbestand geht zurück und die wirtschaftliche Unsicherheit wächst. Das können wir uns angesichts der Herausforderungen beim Wohnungsbau, der Klimaanpassung unserer Städte und der Modernisierung der Infrastruktur nicht leisten. Jetzt braucht es ein klares politisches Signal: Planen und Bauen muss einfacher, schneller und verlässlicher werden. Und Planungsbüros brauchen verlässliche und auskömmliche Rahmenbedingungen, denn ohne leistungsfähige Architektur- und Ingenieurbüros sind die Aufgaben nicht zu bewältigen."
Andrea Gebhard, Präsidentin der Bundesarchitektenkammer (BAK)
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