Eine Gruppe von vier jungen Erwachsenen sitzt bei sonnigem Wetter auf der Dachterrasse eines modernen Apartmentkomplexes und genießt gemeinsam ihre Getränke.
Quelle: Apartment Life (Unsplash)

Entwurf | Planung 2026-10-21T13:49:11.501Z Innovative Wohnformen verbinden Flächensparen, Flexibilität, Gemeinschaft

Eine aktuelle BBSR-Studie zeigt, wie innovative Wohnformen Flächensparen, Flexibilität und Gemeinschaft verbinden und welche Hürden Projekte überwinden müssen.

Innovative und gemeinschaftliche Wohnformen gewinnen an Bedeutung: Hohe Baukosten, begrenzter Wohnraum und vielfältige Lebensentwürfe machen neue Konzepte besonders in Städten notwendig. Die jüngst veröffentlichte Studie „Innovative Wohnformen – Good Practices, Projektionen und Realisierungsbedingungen“ des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) untersucht mehr als 1.500 Wohnprojekte in Deutschland und identifiziert Erfolgsfaktoren sowie Hemmnisse bei der Umsetzung.

Die Studie zeigt, dass Projekte mit gemeinschaftlichen Elementen und flexiblen Grundrissen helfen können, Flächen effizienter zu nutzen, Wohnkosten zu begrenzen und unterschiedliche Lebensbedürfnisse zu berücksichtigen. Gemeinschaftsräume, mehrfach nutzbare Räume und umweltfreundliche Mobilitätsangebote sind zentrale Bausteine solcher Konzepte. Gleichzeitig wird deutlich, dass Finanzierung, baurechtliche Vorgaben und technische Anforderungen für viele Initiativen zentrale Herausforderungen darstellen.

Die Planung gemeinschaftlicher Wohnprojekte unterscheidet sich deutlich vom klassischen, top-down organisierten Wohnungsbau. Baugruppen suchen nicht nur eine bauliche Lösung, sondern entwickeln gemeinsam Werte, Nutzungskonzepte und Entscheidungsprozesse. Oft sind es Architektinnen und Architekten, die schon die ersten Schritte beratend begleiten und so auch die Werte und Nutzungskonzepte mitentwickeln. Dies unterscheidet die Planung für und mit einem Wohnprojekt deutlich von anderen Aufträgen. Wie man mit Gruppen gemeinsam Wohnprojekte entwickelt und umsetzt, wie sich das Planen unterscheidet und welche Methoden gut eingesetzt werden können zeigt das Fachbuch „Gemeinschaftlich planen, bauen, wohnen – Wohnprojekte sicher begleiten und steuern“ von Christoph Harney.

Das Werk richtet sich an Architekturschaffende, Fachplanende, die mit Baugruppen arbeiten oder sich dieses Feld erschließen wollen oder Kommunen, die das Gemeinschaftliche Wohnen fördern möchten. Es beschreibt entlang der Leistungsphasen der HOAI, wie sich die Arbeit an gemeinschaftlichen Wohnprojekten vom konventionellen Planen unterscheidet und welche zusätzlichen Phasen wichtig sind. Dazu gehören u. a.:

  • frühzeitige Einbindung der Architekturschaffenden bei der Grundstückswahl und Projektkonzeption,
  • Beratung zu Finanzierungsmodellen und Rechtsformen gemeinschaftlicher Wohnprojekte,
  • Moderation komplexer Gruppenentscheidungen,
  • Übersetzung unterschiedlicher Wohnbedürfnisse in präzise, funktionale und wirtschaftlich tragfähige Entwurfskonzepte.

Das Fachbuch vermittelt einen Überblick über Formen, Chancen und Grenzen gemeinschaftlicher Wohnprojekte, zeigt Praxisbeispiele aus Neubau und Bestand und ordnet gemeinschaftliches Planen und Bauen in aktuelle Rahmenbedingungen ein – von kommunaler Förderung bis zu Finanzierungsoptionen. Damit ergänzt es die Ergebnisse der BBSR-Studie um eine konkrete Arbeitsperspektive für die Planungs- und Entwurfspraxis: Wie lassen sich die Potenziale des Gemeinschaftlichen Wohnens tatsächlich planerisch in Entwürfen umsetzen? Wie können Architekturschaffende Gruppenprozesse strukturieren, Konflikte moderieren und zugleich planerische Qualität sichern?

Angesichts der im BBSR-Bericht und weiteren Branchenanalysen beschriebenen Krise im Wohnungsbau und des wachsenden Interesses an gemeinschaftlichen Projekten bietet „Gemeinschaftlich planen, bauen, wohnen“ einen praxisorientierten Zugang zu einem Feld, das für viele Büros sowohl fachlich als auch wirtschaftlich neue Perspektiven eröffnet. Die Verbindung von konkreten Methoden für Beratung und Moderation sowie die praktische Erfahrung des Autors machen das Buch zu einem Instrument, um innovative Wohnformen im Alltag der Planungspraxis umzusetzen.

„Innovative Wohnformen können dazu beitragen, vorhandene Flächen besser zu nutzen und zugleich eine hohe Wohnqualität zu sichern. Besonders interessant sind Konzepte, die bezahlbares Wohnen, bauliche Innovationen, Gemeinschaft und die Anpassung an unterschiedliche Lebenssituationen verbinden.“

Dr. Brigitte Adam, Projektleiterin BBSR

zuletzt editiert am 21. Oktober 2026
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